Abenteuerurlaub im Erlebnisferienheim Sorgenfrei

 Ein Bericht von Jürgen Lückener

Das Haus liegt in einem verträumten Dörfchen mit 57 Einwohnern. Damals vor der Wende gehörte das Gebiet zu einer 5 km breiten erweiterten Sperrzone. Hier durften nur Menschen wohnen, die dem DDR- Staat wohlgesonnen waren oder sich besonders verdient gemacht hatten.

Ein zauberhafter Märchenwald lud die Familien zu einer kleinen ersten Wanderung ein. Ein Bach floss langsam den Berg hinab, der Weg war grün, am Rand wuchsen Pilze in den verschiedensten Farben, Laub bedeckte ein wenig den Weg. Das Wetter war traumhaft und der Wald verführte zum Verweilen. Etwas weiter bergauf fuhr die Harzer Schmalspurbahn, die direkt durch das Dorf führt. In der Nähe des Bahnhofes konnte man im Hintergrund sogar den Brocken sehen. Alles zusammen eine beeindruckende Kulisse und man hatte teilweise den Eindruck, sich in einem Miniaturwunderland zu befinden. Allein dieser ca. 2 km lange Weg war schon ein echtes Abenteuer, weil es so viel zu entdecken gab.

Mit den Kindern den Brocken besteigen, geht das? Wir wussten es nicht, wollten es aber versuchen. Das Hausteam brachte uns zum höchstmöglichen Punkt nach Schierke. Von dort aus hieß es ca. 5 km bergauf wandern. Der Weg war sehr interessant. Es ging über Steine durch den abwechslungsreichen Wald und an Bachläufen vorbei. Immer wieder war die Harzer Schmalspurbahn zu hören und zu sehen. Der Weg war mit verschiedenen Attraktionen für Kinder gespickt und damit für alle spannend bis zum Ziel, das alle erreichten. Bei wunderbarem Wetter konnte man auf dem Brocken zur Belohnung eine tolle Aussicht in alle Richtungen genießen, was auf dem Brocken nur an wenigen Tagen im Jahr möglich ist. Nach dem gemeinsamen Abstieg bekam jedes Kind eine Urkunde für die besonders tolle sportliche Leistung.

Kajak- oder Tretbootfahren und über die längste Hängebrücke im Harz laufen stand auf dem Programm für den nächsten Tag. Das „Sorgenfrei- Team“ sorge für den Transfer und für das Mittagessen. Auf dem Stausee hatte man einen herrlichen Blick in die Herbstlandschaft des Harzes und auf die Hängebrücke. Auf der Hängebrücke musste so mancher doch seinen ganzen Mut zusammennehmen, um auf der anderen Seite anzukommen. Die Aussicht von oben war atemberaubend schön, und wer die Schwingungen der Brücke gut haben konnte, konnte die Herbstlandschaft noch einmal von einer anderen Perspektive genießen.

Kaum einer von den Kindern kann sich vorstellen, was damals vor 1989 an der innerdeutschen Grenze alles so passiert ist. Ein sehr eindrucksvoller Dokumentationsfilm des ZDF zeigte, was im Grenzbereich um Sorge herum so alles vor sich ging und wie das DDR- Regime versucht hat, die Fluchtversuche der Bürger in den Westen zu verhindern. Nach dem Film wanderten wir zum Freilichtgrenzmuseum. Hier war noch ein Stück Grenzzaun mit Meldeanlage zu sehen und 500m weiter kam dann der zweite Zaun mit Wachturm, an dem die Flüchtlinge schließlich aufgehalten wurden.

Es gab auch einen Regentag mit viel Zeit zum Basteln. Leuchtende Dekoartikel, blinkende Wäscheklammern oder wandernde Zahnbürsten wurden gebastelt. An einem anderen Tisch fertigten einige Kinder eine Rakete an, die dann draußen mit einer mit Luftdruck betriebenen Raketenabschussrampe in den Himmel geschossen wurden. Ein Riesenspaß nicht nur für die Kinder.

Das Abendprogramm war genau so abwechslungsreich wie das Tagesprogramm. Es gab z. B. eine Rallye mit zahlreichen Stationen. Insgesamt 6 Gruppen mussten sich den Herausforderungen stellen, die sich die älteren Kinder für dieses Event ausgedacht hatten. Selbstverständlich waren auch Fragen über die DDR dabei. Am Ende gab es eine Siegerehrung und jede Menge Jubel und Applaus. Jede Familie hatte pro Familienmitglied ein lustiges Kleidungsstück mitgebracht und eingepackt. Nach einem Zufallsprinzip bekam jeder irgendein Paket, musste es auspacken und das Kleidungsstück anziehen. Was für ein Angriff auf die Lachmuskeln! Dann war da noch die Kinderdisko, Flashmob- Tänze, eine Nachtwanderung, Grillabende und natürlich viele viele Spiele in geselliger Runde.

Das Team um Hausherr Hans Dorrestijn hat mit einer unglaublichen Gelassenheit und Flexibilität für eine Wohlfühlatmosphäre gesorgt, die sich von Anfang an auf die Gruppe übertragen hat. Die Zeitverschiebungen, die es bei den Transfers und bei den Essenszeiten gab, störten kaum. Die ganze Woche war so kurzweilig, dass so manch ein Gast selbst die Zeit vergaß. Vieles im Haus hatte den Stand von 1989, was aber kaum störte, weil eben die klasse positive Grundstimmung in der Gruppe war und die Erwartungshaltung von Anfang an passte. Dies ist auch der Ehrlichkeit von Hans Dorrestijn zu verdanken, der mit dem ersten Telefonat auf die einfachen Zimmer hingewiesen hatte. Wer also ein wenig Nostalgie und kleine Abenteuer bei Gastgebern mit viel Herzblut für Gruppenurlauber sucht, der ist im Erlebnisferienheim Sorgenfrei genau richtig.

Nächstes Jahr geht es in den Herbstferien für 6 Tage nach Bad Malente. Weitere Infos gibt es unter

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Familienfreizeit 2019